Dienstag, 26. Juli 2011

Türkei: Hrant Dinks Mörder zu mehr als 22 Jahren Haft verurteilt

Türkei - Hrant Dinks Mörder zu mehr als 22 Jahren Haft verurteilt: Einerseits will die Türkei in die EU, andererseits erstarken zunehmend fundamentalistischere Strömungen in dem Mittelmeerland. Den Ausgang des Prozesses gegen den Mörder des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink beobachtete man in Europa daher mit besonderer Spannung.

Ein Jugendgericht in Istanbul befand den Angeklagten Ogün Samast am Montag für schuldig Dink 2007 vor dem Redaktionsgebäude der Zeitung Agos in Istanbul erschossen zu haben. Das Gericht verhängte eine Haftstrafe von 22 Jahren und 10 Monaten. Türkische Medien berichten allerdings, dass der Mörder wegen der vierjährigen Untersuchungshaft und seiner Minderjährigkeit zur Tatzeit nur 11 Jahre absitzen muss.

Der Mord wurde in Zusammenhang mit ultranationalistischen Ansichten in der Türkei gebracht. Dink setzte sich jahrelang für die Aussöhnung mit den Armeniern ein, an denen die Türken zu Zeiten des osmanischen Reiches einen Völkermord begangen haben. Der Journalist sprach diese Tatsache immer wieder deutlich an. In der Türkei entspricht dies einem Tabubruch. Dink musste sich deshalb bereits vor Gericht wegen "Beleidigung des Türkentums" verantworten.

International sorgte der Fall für Aufsehen, weil Dinks Mörder bei seiner Verhaftung von türkischen Polizisten gefeiert wurde. Im vergangenen Jahr stellte der europäische Gerichtshof für Menschenrechte dann auch fest, dass der türkische Staat eine Mitschuld an dem Mord trägt, weil er Dink trotz Erkenntnissen über geplante Anschläge nicht geschützt habe.

In meinen Augen ist die verbreitete Haltung der Türkei im Bezug auf den Völkermord an den Armeniern nur peinlich. Ein Volk, das nicht zu seiner Vergangenheit steht, hat eigentlich auch keine Vergangenheit. Den Weg in die EU werden die Türken so jedenfalls nie schaffen.

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